Es geht um die Zukunft unserer Gesellschaft

Wohlfahrtsverbände und Hilfswerke schlagen angesichts der zunehmenden Kinderarmut Alarm. Ihre Vorschläge reichen von der Erhöhung der Hartz-IV-Sätze für Kinder bis hin zu einer besseren Beratung der Eltern. Einig sind sich die Experten, dass staatliche und private Investitionen in die Bildung der Schlüssel sind, um Kindern eine Perspektive zu geben.

Unsere Verantwortung

1,82 Millionen Kinder unter 15 Jahren in Deutschland lebten im September 2008 in Hartz-IV-Familien.

Mit dem wirtschaftlichen Einbruch im Herbst 2008 war absehbar, dass die Zahl der armen Kinder ansteigen würde. Mittlerweile ist von rund 2,5 Millionen auszugehen, die auf Sozialhilfeniveau leben. In den 15 Großstädten mit mehr als 400.000 Einwohnern ist ein immens hoher Anteil von Armut betroffen. So lebt in Berlin und Leipzig jedes dritte Kind von Sozialgeld. In Westdeutschland wurde Bremen jetzt als „Spitzenreiter“ von Essen abgelöst. Dort sind 31 % Prozent der Kinder (in manchen Bezirken bis zu 46 %) im Leistungsbezug. Gleichzeitig haben Archen, Tafeln und Suppenküchen bundesweit Hochkonjunktur.

Beratungsangebote für überforderte Eltern verbessern

Verbände wie die Deutsche Kinderhilfe fordern eine „verantwortungsvolle und ehrliche Debatte“. Es gebe „eine erhebliche Anzahl von schlichtweg erziehungsunfähigen Eltern“. Man müsse „Kompetenzen vermitteln, anstatt sie mit Barmitteln zu versorgen“. Ein richtiger Schritt, so Sprecher Georg Ehrmann, könne „ein Gutscheinsystem“ sein, damit Kinder „kostenlos Sport treiben, musizieren oder Sozialkompetenzen erwerben“.

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Mehr Hartz IV – oder eine eigenständige Kindergrundsicherung?

Auch bei einer Anhörung in der Kinderkommission des Bundestages im November 2008 wurde ein „Umsteuern“ gefordert. So sprach sich Barbara König, Geschäftsführerin des AWO-nahen Zukunftsforums Familie, für eine eigenständige Kindergrundsicherung aus. Dies erfordere „politischen Mut“. Das Ausmaß der Kinderarmut zeige aber, dass die „Zerstückelung“ familienpolitischer Leistungen wenig gebracht habe. In Sozial- und Familienverbänden würden Beträge von 300 bis 450 Euro monatlich diskutiert.

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Mehr Investitionen in die Bildungschancen von Kindern

Heinz Hilgers, Präsident des Kinderschutzbundes, verweist derweil darauf, dass der Hartz-Regelsatz für Kinder bei nur 60 Prozent der Zahlung an Erwachsene liege. „Die Summe ist gegenüber den wirklichen Bedürfnissen eines Kindes sehr respektlos.“ Der Bedarf von Kindern müsse gesondert berechnet und erhöht werden – je nach Alter auf 276 bis 325 Euro. „Ein Erwachsener kann mit dem Wintermantel und seinen Schuhen vielleicht ein paar Jahre auskommen. Kinder brauchen aber jedes Jahr einen neuen Anorak und noch öfter neue Schuhe.“ Auch der Kinderzuschlag für Geringverdiener (140 Euro) müsse steigen: „Ich schlage 175 Euro ab dem ersten Kind vor und 225 Euro ab dem dritten Kind. So könnten 700.000 Aufstockerfamilien aus dem Hartz-IV-Bezug geholt werden.“

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Jeder Einzelne kann Initiative ergreifen

Das ist auch das Argument der Zeit-Journalistin Ulrike Meyer-Timpe in ihrem Buch „Unsere armen Kinder. Wie Deutschland seine Zukunft verspielt“ (2008). Wegen der demografi schen Entwicklung werde schon jetzt über Fachkräftemangel geklagt. „Da kann es sich das Land nicht leisten, Millionen von armen Kindern eine entsprechende Bildung zu verweigern.“ Studien belegten, dass „Investitionen in die Förderung benachteiligter Kinder extrem hohe Renditen“ erzielten. „Denn die Folgeschäden von Kinderarmut kosten die Volkswirtschaft weit mehr als die Maßnahmen, die sie verhindern könnten. Sie werden die nachfolgende Generation mindestens ebenso belasten wie die Staatsverschuldung.“

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Newsletter Gegen Kinderarmut e.V.

Wille

„Es ist nicht genug, zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug, zu wollen, man muss auch tun.“

Johann Wolfgang von Goethe